WhatsApp: Ein Selbst- und Überzeugungsversuch

Ich melde mich heute von WhatsApp ab. Ich habe länger überlegt, ob das ein sinnvoller Schritt ist: Mit wem kann ich dann nicht mehr kommunizieren bzw. wer kann nicht mehr mit mir kommunizieren?

Datenauswertung ist spannend

Was sind die Gründe? Es ist nicht die Angst vor der großen, undurchsichtigen oder bedrohlichen Datenauswertung von Facebook. Ich denke sogar eher, dass das sehr strenge deutsche Datenschutzgesetz Innovationen und neuen Ideen im Wege steht. Mit Daten kann man spannende Sachen machen, woran auch nichts schlecht sein muss. Mir ist natürlich auch nicht egal, was mit meinen Daten passiert. Aber ich kann akzeptieren, dass ich durch die Preisgabe der Daten einen ansonsten kostenfreien Dienst nutzen kann. Dass diese Entscheidung auch Dritte betrifft, die sich nicht bewusst dafür entschieden haben, ist ein wichtiger Aspekt, der aber in meinen Augen auch manchmal übertrieben dargestellt wird.

Ich kann hingegen nicht akzeptieren, wie sich Nutzer über die Datenauswertung beschweren können, ohne die Bereitschaft zu zeigen, auf andere Weise für die Bereitstellung und den genutzten Service zu bezahlen. Mein Friseur hat mal gesagt, die Leute würden vergessen, dass der Friseur ein Handwerksberuf sei und verständen nicht, dass ein ausgebildeter Friseur keinen Herrenschnitt für 10€ anbieten könne. Ich sage, die Leute vergessen, dass hinter einem Kommunikationsdienst wie WhatsApp auch Millionen von Kosten stehen.

Selbstversuch und ein gewisser Zwang

Warum verabschiede ich mich also von WhatsApp? Zum einen ist es ein Selbstversuch, inwieweit eine Abhängigkeit existiert. Meine Vermutung ist, dass sich genug andere Wege finden lassen, mit Personen zu kommunizieren. Welche Wege das sein können, wird sich zeigen. Zum anderen will ich andere, enge Kontakte zwingen, Alternativen zumindest zu probieren. Meine bisherigen Überzeugungsversuche, Apps wie Threema, Signal oder Telegram zu installieren, sind – obwohl sie teilweise ebenfalls kostenlos sind – von wenig Erfolg gekrönt gewesen.

Kostenlos? Zahlt man dann nicht doch wieder mit Daten? Es gibt Entwickler, die Arbeiten aus Überzeugung an sicheren und unabhängigen Diensten. Ein „Restrisiko“ bleibt – auch bei bezahlten Apps. Aber eine Streuung auf verschiedene Anbieter ist schon mal nicht die schlechteste Idee, wenn man Angst vor der Datenauswertung hat. Ich sehe mich nicht in der Lage, eine technische Einschätzung zur Sicherheit der einzelnen Apps zu geben, das haben andere aber getan. Hier auch, mit teils anderen Ergebnissen.

Meine Alternativen

Ich habe nun (bzw. auch schon länger) die drei Dienste ThreemaSignal und Telegram installiert. Die momentane Kontaktanzahl variiert stark. In Threema sind es immerhin 56 Kontakte, in Telegram 28, in Signal nur 9. Ich werde den Erfolg dieses Experiments daran messen, wie viele Kontakte in den jeweiligen Apps dazukommen. Auf gehts!

Adieu WhatsApp. Vielleicht auch auf Wiedersehen.

One Reply to “WhatsApp: Ein Selbst- und Überzeugungsversuch”

  1. […] Ende September habe ich mich aus WhatsApp verabschiedet. Es sollte ein Versuch sein: Finden sich andere Kommunikationswege? Verpasse ich etwas? Kann ich andere überzeugen, einen neuen Messenger-Dienst zu verwenden, der ebenfalls kostenlos, aber sicherer und vertrauensvoller ist? […]

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